Umweltschutz oder dicke Schlitten? Dienstwagen – Praxis und Trends

Auf der einen Seite liegt Umweltschutz voll im Trend – auf der anderen Seite wollen Deutsche große Autos mit starken Motoren. Beides scheint nicht zusammenzupassen. Geht es um die Wahl eines Dienstwagens, nehmen Mitarbeiter hierzulande, die für ein Dienstfahrzeug berechtigt sind, wenig Rücksicht auf die Umwelt. Hybridfahrzeuge werden bislang in der Dienstwagenregelung kaum angeboten beziehungsweise auch selten nachgefragt. Ungeachtet der Diskussion um Umweltverschmutzung und hohe Kosten reizen Mitarbeiter die Grenzen des Möglichen bei der Auswahl des Firmenfahrzeugs gerne aus. Häufig wählen sie ein größeres Fahrzeugmodell als vorgesehen. Kommen sie in den Genuss einer erweiterten Fahrzeugberechtigung, die in der Regel mit einem Anstieg des Gehalts einhergeht, entscheiden sie sich meist auch für eine höhere Motorleistung. Zwar sind der Auswahl des Fahrzeugs durch das verfügbare Budget oder eine definierte Modellpallette Grenzen gesetzt, allerdings sind die Gestaltungsspielräume nach wie vor groß: Viele Unternehmen erlauben es ihren Mitarbeitern, bei einer Kostenbeteiligung eine größere Fahrzeugkategorie beziehungsweise Motorisierung zu wählen. 57 Prozent der Dienstwagenberechtigten überschreiten tatsächlich das maximale Budget und nehmen eine

Selbstbeteiligung in Kauf. Die sind Ergebnisse einer aktuellen Studie der Personalmanagement-Beratung Hewitt Associates mit dem Titel „Dienstwagen – Praxis und Trends 2009 - 2010“.

Deutsche Marken liegen im Trend

Bei Mitarbeitern und Unternehmen stehen deutsche Premium Marken hoch im Kurs. Rund 87 Prozent der Dienstfahrzeuge sind Made in Germany. Französische und schwedische Marken sind eher selten zu finden und asiatische Fahrzeuge stehen auf der Wunschliste von Mitarbeitern und Unternehmen an letzter Stelle. Hierfür gibt es zwei Hauptgründe: Zum einen herrscht bei vielen Mitarbeitern eine emotionale Verbundenheit zu deutschen Marken, zum anderen überzeugen bessere Konditionen beim Leasen deutscher Fahrzeuge, häufig durch den höheren Restwert. Das beliebteste Fahrzeug im oberen und mittleren Management ist der Audi A6 Diesel mit einer Motorisierung zwischen 2.500 und 3.000 Kubikzentimetern. Aber auch auf niedrigeren Hierarchiestufen sowohl bei Fachkräften als auch beim Vertrieb fahren die Mitarbeiter meist Fahrzeuge mit einer Motorisierung von mehr als 2000 Kubikzentimeter. Am beliebtesten sind hier der Audi A4, dicht gefolgt vom VW Passat.

Auf dem Prüfstand: die Dienstwagenregelung

Die Diskussion um umweltschonende Fahrzeuge hat nun auch die Flottenmanager in den Unternehmen erreicht. Häufig wird heute bereits bei der Gestaltung der Dienstwagenrichtline auf CO2-Richtwerte geachtet. Trotzdem kann man nicht von einer umweltfreundlichen Politik der Unternehmen in Sachen Firmenwagen sprechen, denn üblicherweise verbrauchen größere Fahrzeuge mit größeren Motoren auch mehr Kraftstoff und haben einen weit höheren CO2-Ausstoß. Die Unternehmen stecken in einer Zwickmühle: Mitarbeitern zu verbieten, Firmenwagen zu fahren, die gut motorisiert sind, würde Unruhe und Missmut erzeugen. Die tatsächlichen Einsparungen stünden hierzu in keinem adäquaten Verhältnis. Hinzu kommt, dass viele Mitarbeiter, zum Beispiel in Vertriebs- und Servicefunktionen, auf ein Fahrzeug angewiesen sind. Diese Fahrzeuge machen häufig den größten Anteil der Fahrzeugflotte eines Unternehmens aus. Bliebe die Alternative, das Budget für den Fahrzeugkauf herunterzusetzen und damit den Druck zu erhöhen, ein kleineres umweltfreundlicheres Fahrzeug zu wählen. Doch das scheint auch kaum durchsetzbar zu sein. Begrenzen die Unternehmen die CO2-Emissionen für Dienstwagen, so müssen Sport- und Geländefahrzeuge aus dem Programm genommen werden, da sie die Richtwerte überschreiten. Allerdings ist es bereits übliche Praxis der meisten Unternehmen, weder Geländefahrzeuge noch Sportwagen als Dienstfahrzeuge zuzulassen.

„Grünes Image“ gewollt

Trotz der genannten Zwickmühle folgen viele Unternehmen dem Trend zu einem „grünen Image“ und führen CO2-Vorgaben für Dienstfahrzeuge ein. Die Akzeptanz dieser Maßnahme dürfte höher sein als eine pauschale Kürzung der Budgets für die Anschaffung von Firmenwagen. Eines der einfachsten und gängigsten Modelle zur Umsetzung einer solchen Vorgabe ist ein CO2-Limit, das nicht überschritten werden darf. Dabei gibt es entweder unterschiedliche Limits pro Hierarchieebene oder einen Richtwert, der für alle Mitarbeiter des Unternehmens gilt. Häufiger ist allerdings die erste Variante anzutreffen, bei der die Höhe der CO2-Begrenzung abhängig von der Hierarchieebene ist. Dadurch ist gewährleistet, dass sich die Position des Mitarbeiters bei der Wahl des Fahrzeugs widerspiegelt. Rund ein Drittel der von Hewitt befragten Unternehmen regelt den maximalen CO2-Ausstoß eines Fahrzeuges bereits in der Dienstwagenrichtline. Ein weiteres Drittel wird dies in den kommenden Jahren tun. Im Durchschnitt liegen die Werte zwischen 155 g/km CO2-Ausstoß bei den Dienstwagen von Außendienstmitarbeitern und 190 g/km CO2-Ausstoß bei Firmenautos des Topmanagements. Diese Werte müssen jedoch mindestens alle zwei Jahre, wenn nicht sogar jedes Jahr, angepasst werden, da die Autoindustrie sich auf diesen Trend der CO2-Regulierung bereits eingestellt hat.

Bonus-Malus-Systeme als Anreiz

Ein besonderer Anreiz für umweltschonendes Verhalten schaffen so genannte Bonus–Malus- Systeme. Überschreitet oder unterschreitet ein Mitarbeiter mit seinem Dienstwagen den jeweiligen Richtwert jeweils einen Bonus oder eine „Strafzahlung“. Die Bandbreite liegt zwischen fünf und zehn Euro pro Gramm CO2-Ausstoß über oder unter dem Richtwert. Dabei hat sich das Malus-System in der Praxis häufiger durchgesetzt. Ein interessanter Ansatz könnte sein, die Bonuszahlungen bei einer deutlichen Unterschreitung der CO2-Grenzen in ein Umweltprojekt zu investieren und dies für Public Relations-Zwecke zu nutzen. Allerdings müssen hierbei die administrativen Kosten berücksichtigt werden.

Für welches Modell der CO2-Regulierung sich ein Unternehmen auch entscheidet: Letztlich kommt dies nicht nur der Umwelt zu Gute, sondern schont auch die Budgets der Unternehmen. Auch wenn die Firmen kein Geld für die Fahrzeuge direkt einsparen und eine deutliche Ersparnis sich nur erzielen ließe, wenn alle Mitarbeiter auf ein kleineres Fahrzeug umsteigen würden, spart eine Senkung der CO2-Emissionen Sprit. Bei einer Flottengröße von 1.000 Fahrzeugen und einer Senkung des Benzinverbrauchs auf 100 Kilometern um einen Liter bei einem kleinen Motor, liegt die Ersparnis schnell bei mehreren hunderttausend Euro. Das macht sich nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Unternehmen bezahlt.