Mehr "Power" beim Lesen

Die tägliche Informationsflut nimmt immer mehr Zeit in Anspruch. Schnellesen ist eine Möglichkeit zur raschen Bewältigung.

Axel Santer
Axel Santer, TRAINTRAIN

SALZBURG (SN). E-Mails, Protokolle, Magazine, Aussendungen. Zeitungen oder Produktunterlagen summieren sich immer mehr zu einer "Lawine". Allein die täglich steigende Zahl an zu lesenden E-Mails nimmt schon einen erheblichen Teil der Arbeitszeit ein.

Eine Lösung ist Schnellesen, neudeutsch "Speed Reading" genannt. "Dabei geht es letztlich um effiziente Zeitnutzung", sagt Axel Santer, der mit seiner Firma Traintrain spezielle Seminare für Schnellesen anbietet: "Angesichts der Fülle des Materials benötigt man einen schnellen Fokus und muss selektieren."

Dabei gibt es einige Techniken, mit denen man sein persönliches Lesetempo erhöhen kann. Viele Menschen sind dazu schon in der Lage, allerdings ohne es zu wissen, etwa im Internet. "Bei gedruckten Seiten ist diese Fähigkeit dann wieder verschwunden", weiß Santer. Der Experte unterscheidet vier verschiedene Arten von Lesetechniken: Das Genusslesen, das Studieren, das Überfliegen und das Schnellesen. In seinen Seminaren lernt man nicht nur Techniken des Schnellesens, sondern auch des Überfliegens. Santer: "Beim Überfliegen geht es um die intuitive Erfassung von Inhalten, die für die jeweilige Person wichtig sind." Dabei darf man sich aber nicht "festlesen", sondern sollte nur grob drüberschauen. Beim Schnellesen geht es hingegen um konzentriertes "richtiges" Lesen.

Die durchschnittliche Leseleistung in Österreich liegt bei etwa 170 Worten pro Minute (Das ist etwa die bisherige Länge des Artikels, Anm.). Wer mehr als 200 Worte pro Minute lesen kann, gehört schon zu den schnelleren, ab 250 Worten benötigt man Techniken des "Speed Reading".

Um schneller lesen zu können, sollte man fünf Elemente beachten: Überblick verschaffen, konzentriert "richtig" lesen, ganze Wortgruppen lesen, eine Lesehilfe verwenden und den "Rand" der Seite weglassen.

Santer: "Häufige Fehler sind ein bewusstes Rückspringen im Text oder auch das Mitmurmeln. Ohne Murmeln liest man etwa vier Mal so schnell." Wer Wortgruppen erkennen kann, für den spielt es beispielsweise auch keine Rolle, ob die Buchstaneb in der richtigen Reihenfolge geschrieben sind.

Wichtig ist laut Santer eine Lesehilfe. Damit ist nicht die Brille gemeint, sondern eine Art Zeigestab, manche benützen auch den Finger. An diesem kann sich das Auge festhalten und dadurch schneller lesen.

Mehrere Worte gleichzeitig Lesen

Nur 20 Prozent entfallen im Auge auf die zentrale Sehkraft, 80 Prozent auf die periphere. Santer: "Man kann sein Gesichtsfeld ausdehnen, damit sieht man nicht ein Wort, sondern drei bis fünf Worte." Dazu kommt, dass man in Sprüngen liest.

"Ein schwacher leser liest Silben, ein guter Worte", betont der Trainer: "Zeitungsspalten sind da sehr gut, weil eine Zeile nur etwa fünf Worte beinhaltet. Eine Zeile kann man also mit nur zwei Fokussierungen lesen."

Ganz zentral beim schnellen Lesen ist natürlich die Konzentration. Man sollte sich wenig ablenken lassen und sich "Zügel anlegen", um bei der Sache zu bleiben. Weitere wichtige Aspekte: Beste Lichtverhältnisse, aufrechte Sitzhaltung, ein Abstand von zirka 50 Zentimetern zum Text und eine "produktive" Tageszeit, also nicht gerade nach dem Mittagessen. Deshalb muss man auch nach 20 Minuten "Speed Reading" eine Pause machen. Santer: "Es ist wie beim Autofahren. Man muss die Abläufe und Techniken üben und automatisieren. Erst dann bleibt man bei den Inhalten und nicht bei der Technik."