Das Burnout-Syndrom – Die Krankheit der Leistungsgesellschaft

Viele Menschen fühlen sich gehetzt, gestresst und ausgebrannt. Wir bewegen uns im System Leistungs- und Konsumgesellschaft. Ein schwieriges Privatleben, Doppel- und Mehrfachbelastungen, die angespannte Wirtschaftslage steigender Wettbewerb, Globalisierung und Entwicklungen in der Kommunikationstechnologie, die uns die permanente Erreichbarkeit beschert haben, sind Nährboden für eine Krankheit, die nicht selten mit dem Selbstmord endet.

Betroffen sind nicht nur Manager und Menschen in Pflegeberufen, sondern alle Bevölkerungsschichten und leider auch immer mehr Kinder und Jugendliche. Nicht umsonst hat die Weltgesundheitsorganisation, WHO, Stress zur größten Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts deklariert und wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung.

Es ist mittlerweile selbstverständlich für uns, dass Leistung zum Leben gehört und dass wir uns ständig beweisen müssen. Wenn sich unser Energiehaushalt im Gleichgewicht befindet, ist das auch überhaupt kein Problem. In unserer rasend schnellen Welt, in der wir leben, wird es aber zunehmend schwieriger die Balance zu halten. Heute kommt das Mensch und seine Seele nicht mehr oder nur noch schwer zur Ruhe. Auf Anspannung muss immer Entspannung folgen. Wir brauchen Ruhepausen und Erholungsphasen. Dauerhaftes angestrengtes Hochleistungsverhalten senkt das Leistungsvermögen. Leider gestehen sich die wenigsten Menschen zu, dass Ihre Kräfte nachlassen und machen weiter, indem Sie die Signale Ihres Körpers einfach ignorieren.

Klassische Burnout-Warnsignale:

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Gefühl innerlich getrieben zu sein
  • Nervosität
  • das Gefühl hilflos ausgeliefert zu sein
  • Aggressionen
  • Zynismus
  • häufige Infekte (Erkältungen)
  • Schwindel
  • Lähmungs- und Erstarrungszustände
  • Rückenschmerzen und Verspannungszustände für die es keine medizinische Hilfe gibt
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • bleierne Müdigkeit
  • Sinnlosigkeit und Leere

Die Seele sucht sich unterschiedlichste Wege um über den Körper zu signalisieren, dass eine Umkehrstrategie dringend nötig wäre. Die Krankheit kündigt sich oft monate- und jahrelang mit verschiedensten Symptomen und Beschwerden an, die als Begleiter des seelischen Ausbrennens auftreten. Sie sind allerdings so unterschiedlich und komplex wie die einzelnen Geschichten der Betroffenen.
Wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird, kommt es irgendwann zum totalen Zusammenbruch – nichts geht mehr. Es folgt oft Arbeitsunfähigkeit, die sich in schweren Fällen über einige Jahre hin ziehen kann.

Burnout verläuft in 12 Zyklen, wobei die einzelnen Phasen nicht unbedingt nacheinander ablaufen müssen. Das ist auch mit ein Grund, dass die Krankheit oft lange unerkannt bleibt.

Der Burnout-Zyklus

Stadium 1: Der Zwang sich zu beweisen
Aus den erhöhten Erwartungen an sich selbst entsteht Leistungszwang.

Stadium 2: Verstärkter Einsatz
Das Gefühl alles selbst machen zu müssen, Unfähigkeit zu Delegieren.

Stadium 3: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
Der Wunsch nach Ruhe, Entspannung und angenehmen Sozialkontakten tritt mehr und mehr in den Hintergrund.

Stadium 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
Fehlleistungen treten gehäuft auf, z.B. Terminverwechslung, Unpünktlichkeit, etc.

Stadium 5: Umdeutung von Werten
Abstumpfung und Trübung der Wahrnehmung, wichtige Ziele im Leben werden entwertet, soziale Kontakte werden als belastend erlebt

Stadium 6: Verstärkte Verleugnung der auftretenden Probleme
Zynismus, Ungeduld, Intoleranz, erhebliche Leistungseinbussen und körperliche Beschwerden treten auf. Ab Stadium 6 wird professionelle Hilfe benötigt.

Stadium 7: Rückzug
Hoffnungslosigkeit – Ersatzbefriedigungen treten in den Vordergrund: Alkohol, Drogen, Medikamente, Essen und Sexualität

Stadium 8: Verhaltensänderung
Verstärkter Rückzug und paranoide Reaktionen und Ideen wie z.B. Verfolgungswahn

Stadium 9: Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit
Gefühl wie eine Maschine automatisch zu funktionieren.

Stadium 10: Innere Leere
Mutlosigkeit, Leere, Panikattacken und phobische Zustände, exzessive Ersatzbefriedigungen können in den Vordergrund treten

Stadium 11: Depression
Verzweiflung, Erschöpfung und Gefühle des Abgestorbenseins, Suizidgedanken

Stadium 12: Völlige Burnout-Erschöpfung
Emotionale, körperliche und geistige Erschöpfung

(Freudenberger und North 1992)

Ich starb nicht, aber vom Leben blieb mir nichts.

(Dante)

Erfolg und Burnout müssen keinesfalls Hand in Hand gehen!

Die Ursachen für das "Ausgebranntsein" sind vielschichtig. Was für den einen eine stressige oder unerträgliche Situation darstellt , kann für den anderen vielleicht eine spannende Herausforderung sein. Das Empfinden von Stress steht in direktem Verhältnis zur eigenen Belastungsfähigkeit und Einstellung zu diversen Lebenssituationen. In unserer Leistungsgesellschhaft erleben wir auch immer öfter, dass Menschen sehr stark nach Erfolg, Ruhm, öffentlicher Aufmerksamkeit, Dankbarkeit etc. streben. Oft wird dies dann als blinder Ehrgeiz oder Leistungszwang ausgelebt, um sich auf diesem Wege Anerkennung und oft auch fehlende Liebe zu „verdienen“. Diese eigenartige Form von süchtigem Fehlverhalten kann der direkte Weg zum Burnout-Syndrom sein.
Es müssen auch nicht der Zeitdruck oder die hohe Arbeitsbelastung sein, die krank machen. Oft müssen Menschen Tätigkeiten ausführen, die sie langweilen und mit denen sie sich überhaupt nicht identifizieren können. Das kann zu enormem Stress und massiven seelischen Problemen führen.

Was ist zu tun, wenn man merkt, dass man selbst betroffen oder gefährdet ist?

Wir haben verlernt, eine normale gesunde Lebenshaltung zu kultivieren, z.B. in aller Ruhe Mittagessen. Die einfachsten Gesundheitsregeln werden im Alltag nicht wahrgenommen, ja sogar als lächerlich dargestellt. Übertreibungen und suspekte Gesundheitsangebote haben Hochkonjunktur. Anstatt sich mit Freude im Freien zu bewegen verfallen viele Menschen dem Wahn, auch in ihrer Freizeit Hochleistungen oder Extremleistungen vollbringen zu müssen. Man muss seine Freizeit nicht mit Aktivitäten voll pflastern. Man darf auch einmal so richtig faul sein. Das ist für viele Menschen eine große Herausforderung, oft ein Ding der Unmöglichkeit aus eigener Kraft einen Entspannungszustand herbeizuführen.

Es ist ganz wichtig sich klar zu machen, dass es sich nicht um persönliche Schwächen handelt, sondern um die Folgen von extremen Belastungsfaktoren. Denn nur wer einmal für etwas gebrannt hat kann ausbrennen. Man sollte sich auch bewusst machen, dass man selber etwas dagegen tun kann. Der richtige Umgang mit Stressfaktoren ist ebenso wichtig wie der Mut, Gewohnheiten aufzugeben, notfalls sein Leben grundlegend zu ändern. Wer unter extremen Belastungsfaktoren leidet und dies ändern möchte muss zu Beginn erst einmal eine gründliche und ehrliche Analyse für alle Lebensbereiche erstellen. Wer seine Situation analysiert und merkt was er verändern kann, muss auch den Mut aufbringen, Probleme anzusprechen und kommunizieren, was er braucht, damit es ihm gut geht. Hier liegt auch das Problem: Viele Menschen finden Jammern und Leiden einfacher als in die Eigenverantwortung zu gehen und an konstruktiven Lösungen zu arbeiten und entsprechend zu agieren. Es ist auch kein Zeichen von Schwäche, wenn man sich frühzeitig Hilfe von außen holt. Im Gegenteil, erfolgreiche Menschen lassen sich gerne helfen.

Was ist tun wenn Mitarbeiter beteroffen sind?

Unternehmer, die selbst „Burnout-Erfahrung“ haben sind am besten darauf vorbereitet, wenn einer ihrer Mitarbeiter unter dieser Krankheit leidet. Denn Burnout-Erfahrene haben eine andere Sichtweise und haben meist Ihre Lebenseinstellung radikal geändert. Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter haben einen hohen Stellenwert. Je weiter ein Mitarbeiter in der Hierarchie unten ist, desto kleiner ist der Spielraum für die Veränderung der Rahmenbedingungen und daher ist die Situation für solche Menschen oft ausweglos. Mitarbeiter müssen die Möglichkeit haben, offen zu kommunizieren und müssen sagen dürfen, dass sie unter widrigen Rahmenbedingungen "nicht mehr können". Das setzt allerdings Klarheit und eine gewisse Vertrauenskultur im Unternehmen voraus.

Burnout-Prophylaxe

  • auf Körper-Signale hören
  • Pausen einlegen
  • für ausreichenden Schlaf sorgenn
  • Entspannungstechniken erlernen
  • sich täglich für eine gewisse Zeit „offline“ stellen d.h. nicht kommunizieren
  • körperliche Aktivitäten z.B. täglicher Gesundmarsch einplanen
  • auf gesunde und ausgewogene Ernährung achten
  • Verzicht bzw. Reduzierung von Genussmitteln
  • eigenen Hobbys nachgehen
  • Urlaub machen, am besten 3 Wochen am Stück
  • soziale Kontakte pflegen
  • Glaubenssätzen und Lebenseinstellung überprüfen
  • eigene Ansprüche überdenken
  • Arbeitsbedingungen prüfen
  • Grenzen setzen und NEIN-sagen lernen
  • Stärken und Schwächen bewusst machen
  • Bewusstheit über wesentliche Lebensziele
  • Fertigkeiten und Fähigkeiten erweitern
  • die eigenen Belastungsgrenzen kennen und respektieren
  • Prioritäten setzen
  • Zeit gewinnen für das Wesentliche
  • Eigenzeit einplanen
  • Abstand nehmen
  • Lachen, Sinn für Humor und eine Prise Verrücktheit

Bin ich Burn-out gefährdet?

Beantworten Sie die Fragen nach Ihrem ersten Impuls.

Trifft fast nie zu = 1, Trifft selten zu = 2, Trifft manchmal zu = 3, Trifft häufig zu = 4, Trifft fast immer zu = 5

  • Ich habe allgemein viel Stress in meinem Leben.
  • Durch meine Arbeit muss ich auf private Kontakte und Freizeitaktivitäten verzichten.
  • Auf meinen Schultern lastet viel.
  • Ich leide an chronischer Müdigkeit.
  • Ich habe das Interesse an meiner Arbeit verloren.
  • Ich handle manchmal so, als wäre ich eine Maschine. Ich bin mir selber fremd.
  • Früher habe ich mich um meine Mitarbeiter und Kunden gekümmert – heute interessieren sie mich nicht.
  • Ich mache zynische Bemerkungen über Kunden und Mitarbeiter.
  • Wenn ich morgen aufstehe und an meine Arbeit denke, bin ich gleich wieder müde.
  • Ich fühle mich machtlos, meine Arbeitssituation zu verändern.
  • Ich bekomme zu wenig Anerkennung für das, was ich leiste.
  • Auf meine Kollegen und Mitarbeiter kann ich mich nicht verlassen, ich arbeite über weite Bereiche für mich allein.
  • Durch meine Arbeit bin ich emotional ausgehöhlt.
  • Ich bin oft krank, anfällig für körperliche Krankheiten bzw. Schmerzen.
  • Ich schlafe schlecht, besonders vor Beginn einer neuen Arbeitsperiode.
  • Ich fühle mich frustriert in meiner Arbeit.
  • Eine oder mehrere der folgenden Eigenschaften trifft auch mich zu: nervös, ängstlich, reizbar, ruhelos.
  • Meine eigenen körperlichen Bedürfnisse (Essen, Trinken, WC) muss ich hinter die Arbeit reihen.
  • Ich habe das Gefühl, ich werde im Regen stehen gelassen.
  • Meine Kollegen sagen mir nicht die Wahrheit.
  • Der Wert meiner Arbeit wird nicht wahrgenommen.

Auswertung:
bis 30 Punkte: geringes Burn-out-Risiko
31 – 60 Punkte: beginnende Burn-out-Situation
über 60 Punkte: Es ist dringender Handlungsbedarf!

Quelle: Günther Possnigg, Psychotherapeut und Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in Wien