Inspirierende Führungskräfteentwicklung

Sinnerfüllte Lernatmosphären und Selbstverantwortung

Die Vorfreude auf den nächsten eigenen Zustand ist das, worauf es beim Lernen ankommt, meint Peter Sloterdijk. Dies gilt wohl auch für die Führungskräfteentwicklung. Wir müssen in Zukunft faszinierende Lernatmosphären schaffen, die Menschen zum Mitfeiern inspirieren und Vorfreude auf das eigene Potenzial erwecken. Denn was ist anspornender als die Lust auf den nächsten, besseren Zustand als Führungskraft, der aus purer Eigenleistung und in jedem Fall auf Basis eines schon mangellos fertigen Menschen erreicht wird? Da ist sie zu spüren, die aufkeimende Freude am Werden, im Bewusstsein eines sicheren Seins.

Selbstverantwortliches Lernen  

Selbstverantwortliches Lernen ähnelt der Orientierung mithilfe einer Stirnlampe. Immer bestimme ich selbst, ob ich das Licht einschalte, welches Stück des Weges ich ausleuchte, in welcher Höhe mein Licht hinfällt und wie weit ich den Strahl nach vorne richte. Es ist ein Erkunden meines eigenen Entwicklungsweges, ohne dass es einen „Oberleuchter am Set“ braucht, wie das Peter Sloterdijk auf den Punkt bringt. Führungskräfteentwicklung meint dann, Menschen einzuladen, ihr Licht selbständig  einzusetzen und das nächste Stück des Weges freudig zu erkunden. Ich erlebe leider immer wieder Menschen in Unternehmen, die wie Insekten nur mehr um die größte Lampe kreisen und letztlich verbrannt am Boden landen. Ihr eigenes Licht hat schon lange zu leuchten aufgehört, keine Energie, lauter leere Batterien. Aber selbst wenn die Akkus leer sind, braucht es einfach nur neue Energie und den Willen, die Lampe wieder einzuschalten. 

Das diffuse Licht der Oberleuchter

Auch in vielen Entwicklungsprogrammen inszenieren sich Trainerinnen und Trainer als Quelle allen Wissens, agieren als Besserwisser und große Leuchter, die anderen Menschen den Weg weisen. Ich erlebe aber auch, dass wir Führungskräfteentwicklung heute so gestalten können, dass diese ureigenen Energien wieder belebt werden und ins Fließen kommen. Wenn uns das gelingt, gewinnen dabei alle, die Führungskräfte selbst, deren MitarbeiterInnen und das Unternehmen. An die großen Oberleuchter an der Spitze der Hierarchie glaubt heute ja ohnehin keiner mehr so richtig. Und die Lichter der letzten Ritter werden immer diffuser. Daher ist es umso wichtiger, dass die Menschen selbst ihre Stirnlampen wieder einschalten. Dann kann die Höhle gar nicht so finster sein, dass die vielen gebündelten, kleinen Lichter nicht doch noch einen Aufstieg Richtung Ausgang finden würden.

Der neue Dreiklang der Führungskräfteentwicklung

Angeregt von der Idee der „triple bottom line“ (http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/1_3_b_triple_bottom_line_und_triple_top_line_1532.htm) aus der Nachhaltigkeitsdebatte, die Ausdruck für ein wirtschaftlich erfolgreiches, sozial und ökologisch faires Wirtschaften ist, haben wir die Idee für einen „Dreiklang“ in der ganzheitlichen Führungskräfteentwicklung entworfen. In unserer Arbeit mit Führungskräften hat sich aus dieser Idee eine neue Balance zwischen drei Entwicklungsdimensionen als sinnvolles Modell herauskristallisiert. Es ist eine Art Dreiklang, weil der Mensch auf drei Ebenen „zu schwingen und zu wirken“ beginnt.

Der Grundton: Self-Leadership

Der Grundton entspricht dem Menschen selbst. Am Anfang steht immer die persönliche Entwicklung als Mensch und als Führungskraft. Meist wird dieser Entwicklungsprozess Self-Leadership genannt. Dazu braucht es Willenskraft, um zu beginnen, gute Energiequellen und Schutz, um am Weg zu bleiben, Befreiung von Hemmnissen und Zwängen, um sich nicht selbst zu blockieren und letztlich die Entwicklung der eigenen Talente, um wirklich wirksam zu werden. Das Ziel dabei ist es, meine kreativen Potenziale zu entfalten, zu entwickeln und als Mensch zu reifen. Das ist ein ganzheitlicher Prozess der Selbstfindung.

Die große Terz im Durdreiklang: Team-Leadership

Für ein mehrstimmiges Klangbild einer Führungskraft braucht es die Wirkung in einer Gruppe von Menschen, in einem Team, in einer Organisation. Wer sich selbst auf einem Entwicklungsweg (Self-Leadership) befindet, hat beste Chancen von anderen Menschen wahrgenommen und als Leader angenommen zu werden. Annehmen ist dabei mehr als anerkennen. Wir nennen diese Ebene Team-Leadership. Das Ziel dabei ist, wirksam im Sinne einer gemeinsamen Zielerreichung mit anderen Menschen zu werden. Dabei spielen Methoden und eingelernte Kompetenzen eine weniger wichtige Rolle, als die Wirksamkeit meiner eigenen Persönlichkeit.    

Die reine Quinte: Sustainability Leadership

Ein volles Klangbild des Durdreiklangs erhalten wir aber erst mit dem dritten Ton. Es ist die Entwicklung auf der Ebene Sustainability Leadership, die Menschen in ihrem Wirken in einen ganzheitlichen Sinnzusammenhang bringt. Erst wenn ein relevanter Beitrag zu einer guten, nachhaltigen Entwicklung der Welt geleistet wurde, stellen sich die ersehnten „harmonischen Klänge“ ein. Jeder Mensch, der seine Potenziale entfaltet und seine Wirkung in Teams erfahren hat, integriert  sich wunderbar in die Entwicklung der Welt und gibt so seinem Leben einen Sinn. 

Visualisierung des Entwicklungsprozesses

(einfache Visualisierung am Flipchart)

Führung bedeutet dann, das Beste aus mir selbst herauszuholen, andere Menschen dabei zu unterstützen, dies ebenso zu tun und gemeinsam – in der Organisation und darüber hinaus – das Beste für die Entwicklung der Welt zu geben; also aus der Situation, aus den Ressourcen und Chancen das Bestmögliche zu machen.  

Die Ladestation für leere Batterien

Im Self-Leadership schaffe ich mir wieder eine Verbindung zu Quellen des Lebens, die mich stärken und lebendig halten. Im Team-Leadership lerne ich aus Erfahrungen und kann meine Wirkung in einem steten Prozess verbessern. Es wirkt der Zyklus: Geist-Herz-Bewegung-Form (Link: hpwallner.at/im-zeichen-der-veranderung-neu-von-bloggingbooks/), oder: Neues Denken – Neue Haltung – Neues Tun – Neue Erkenntnis und die ständige Wiederholung (train the eight – Videolink: www.youtube.com/watch). Im Sustainability-Leadership finden wir letztlich Sinn. Wir beteiligen uns an der Entwicklung der Welt und leisten unseren Beitrag. Das ist sinnstiftend und lebensbejahend. Wenn wir den Dreiklang anstimmen und daran arbeiten, dann wird unser Licht hell zu leuchten beginnen.

Führungskräftetrainings ganzheitlich gestalten

Erst kürzlich habe ich einen Artikel zu dieser Frage hier auf dem Portal personalmanagement.info  publiziert: „Ganzheitliche Führungskräfteentwicklung – Ideenskizzen für Verantwortliche in der Personalentwicklung“ (http://www.personalmanagement.info/hr-know-how/top-trainer-informieren/detail/ganzheitliche-fuehrungskraefteentwicklung/). Die gebündelte Kurzversion dieses Artikels gibt es auch als Präsentation auf Slideshare (ein PDF zum freien Download) (http://de.slideshare.net/hpwallner/ganzheitliche-fhrungskrfteentwicklung-und-fhrungskrftetrainings-gedankenskizzen-von-heinz-peter-wallner-slideshareblogging-2014). In diesem Artikel ging es um neue Herausforderungen, erforderliche Kompetenzen und erste Formate für Führungskräftetrainings, die in diese neue Richtung zeigen.

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