Karenz ist auch für Geschäftsführer und Manager realisierbar

ePunkt: Plädoyer für die „Leading Fathers“

Die Zahl der männlichen Kindergeldbezieher liegt zwar bereits im zweistelligen Prozentbereich. Gering aber ist die Zahl der Geschäftsführer bzw. der Männer im höheren Management, die in Karenz gehen. Neben dem Thema Einkommen sind es vor allem die Reaktionen und Einstellungen der Unternehmen, die viele vor diesem Schritt zurückschrecken lassen. ePunkt dagegen, einer der Top 3 Personalberater in Österreich und Great Place to Work 2012, hat mit Sam Zibuschka vor Kurzem einen seiner beiden Geschäftsführer in die Karenz verabschiedet. Daniel Marwan, ebenfalls Geschäftsführer bei ePunkt, hat seine Karenz vor einigen Jahren sehr positiv erlebt und empfiehlt allen, die Chance, Zeit mit seinen Kindern zu verbringen, trotz aller eventuellen Widerstände zu nutzen.

„Die Erfahrung mit den Kindern ist mit nichts zu vergleichen, durch nichts zu ersetzen – das war eine einmalige Chance, die habe ich genützt“, ist Daniel Marwan auch heute noch von seiner Entscheidung, in Väterkarenz zu gehen, überzeugt. Im Unterschied zu vielen anderen Vätern, die in ihren Unternehmen auf mehr oder minder verhohlenen Widerstand treffen, degradiert werden oder nicht mehr in ihre ursprüngliche Position zurückkehren können, ist ePunkt sehr offen in Sachen Väterkarenz – unabhängig davon, ob es sich bei den Karenzwilligen um Führungskräfte handelt oder nicht. ePunkt beschäftigt zahlreiche Mütter und einige Väter in Karenz bzw. nach der Karenz in Teilzeit und verfügt über ein etabliertes Karenz- und Rückkehrmanagement. Das Unternehmen richtet sich bei der Karenzdauer nach den Wünschen der Mitarbeiter. Karenzierte Mitarbeiter werden regelmäßig ins Büro eingeladen, sind bei allen sozialen Events, wie z. B. Bürofesten und Weihnachtsfeier, dabei und haben Zugriff auf das Intranet, um so auf dem Laufenden und in Kontakt zu bleiben. Der Wiedereinstieg erfolgt in Abstimmung und nach den Bedürfnissen des Mitarbeiters. Teilzeitarbeit ist bei ePunkt ab 4 Stunden pro Woche möglich, einzig bei Führungs- und Vertriebspositionen sind 20 Wochenstunden Zeitengagement notwendig.

Kleinkinderbetreuung als gute Schule für Führungskräfte

Daniel Marwan rät, aus seiner Erfahrung heraus, allen, die in Väterkarenz gehen wollen: „Tut es einfach! Es ist lächerlich, wegen weniger Monate einen Karriereeinbruch zu befürchten. Außerdem ist Kleinkinderbetreuung eine gute Schule für jede Führungskraft. Denn es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen Sandkiste und Büro: Häufig geht es nur darum, wer kriegt das Schauferl und wer das Küberl. Man kann an der Sandkiste besser beobachten und viel lernen: Vater/Mutter sein ist vergleichbar mit Führungskraft sein. Kinder fordern unmittelbar Feedback, sind direkt und erbarmungslos, man ist permanent gefordert und hat kaum Rückzugsbereich. Mitarbeiter fordern da viel weniger. Für seinen Einsatz wird man aber auch mit einer täglich wachsenden Beziehung zum Kind belohnt.“

„Management by loving“

Auch Sam Zibuschka, Anfang Juli in Karenz gegangen, sieht es als Chance, eine intensive und unwiederbringliche gemeinsame Zeit mit seinem Sohn zu verbringen. „Unsere berufliche und finanzielle Situation hat uns erlaubt, eine Väterkarenz überhaupt in Erwägung zu ziehen. Es gibt leider noch immer viele Familien, bei denen eine Väterkarenz aus einem dieser beiden Gesichtspunkte nicht möglich wäre. Hier müssen zum einen Firmen umdenken und die Unternehmer mehr Verständnis aufbringen. Zum anderen sind zwar die neuen einkommensabhängigen Karenzmodelle schon sehr fortschrittlich, trotzdem glaube ich, dass einer der Hauptgründe, die gegen eine Väterkarenz sprechen, noch immer der ist, dass die Familie auf das Gehalt des Mannes nicht verzichten kann. Hier sehe ich noch immer enormen Entwicklungsbedarf. Ich selbst werde während meiner Karenzzeit in völlig neuen Bereichen gefordert sein, mich neu kennenlernen und meine gesamte Managementstrategie in „management by loving“ umstellen müssen.“